Freitag, 11. Juni 2010

Astro Winfired und die Finanzkrise

Im letzten Post hatte über den Starastrolgen (eigentlich doppelt gemoppelt Star und Astrologe) Winfried Noé gesprochen, der in der Sendung Talk im Hangar-7 im österreichischen Fernsehen stolz verkündet hat:

"Ich habe ein Buch im Juli, äh, Juni 2007 heraus gebracht, in dem ich genau geschrieben habe, dass diese Finanzkrise massiv im Herbst 2008 beginnen wird und hab auch geschrieben wie sie weiter verläuft bis zum Jahr 2020 und wir sind genau in diesem Zeitfenster drin und es ist auch ganz genauso abgelaufen und ich finde es auch immer erstaunlich, dass dann immer gefragt … keiner hat diese Krise kommen sehen."

Ich ging also in die Stadtbibliothek und holte mir das Buch: „Vorsprung durch Astrologie! Mit Motivation Krisen in Chancen verwandeln“. Schon auf dem Cover wird geworben: „Mit Noés Zukunftsprognosen bis zum Jahr 2020“. Welch eine Spannung, gleich zum Kapitel „Die Prognose 2007 bis 2020“ vorgeblättert und die 21 Seiten gelesen. Die Prognosen sind in ein Interview eingebettet, dass der Mitautor Noés, Erich Lejeune, mit ihm führt. Hier nun, was Noé „genau“ zur Finanzkrise geschrieben hat, die ja „ganz genauso abgelaufen“ sein soll:

Er schreibt mit keiner Silbe, dass die Finanzkrise im Herbst 2008 massiv beginnt. Tatsächlich schreibt er lediglich, dass sich die Geldmenge in Euroland bis 2006 stark erhöht habe und fährt schwammig fort (S. 257):

"Die Folgen sind Liquidität im Überfluss, die in Aktien investiert werden und die Kurse in die Höhe treiben."


Noé scheint, fälschlicherweise, vor einer Aktienblase zu warnen. Das Interview fand scheinbar am 08. Mai 2007 statt, denn Noé sagt, dass der Ölpreis „heute, am 08. Mai 2007, bei 64 US-$ steht.“ Zu dem Zeitpunkt, war die US Immobilienblase bereits geplatzt, allerdings waren die Konsequenzen noch nicht abzusehen.

Was könnte Noé noch mit „genauer“ Beschreibung der Finanzkrise gemeint haben? Vielleicht das, was auf Seite 257 weiter steht:

"Doch wehe, die Spekulationseuphorie ebbt plötzlich ab, dann ist Geld nur noch zu sprunghaft steigenden Höchstzinsen zu haben. Wenn die Notenbanker nicht ganz schnell etwas gegen die ausufernde Geldmengengenexpansion tun […], wird die Finanzkrise, in die wir global steuern, ein noch nie gekanntes Ausmaß annehmen. Mit einem Blick auf die Konstellationen kann ich nur sagen, es wird noch schlimmer kommen als befürchtet!"

Von 2009 bis 2012 bilden….


Wieder kein Ton über Herbst 2008. Stattdessen die Prognose, dass Geld zu hohen Zinsen zu haben sein wird. Das Gegenteil ist eingetreten, die Notenbanken senkten die Zinsen sogar noch weiter und fluteten die abstürzenden Märkte mit billigem Geld.

Die Suche nach der Stelle, an der „genau geschrieben“ steht, dass die Finanzkrise heftig im Herbst 2008 eintritt, geht weiter. Vielleicht auf Seite 262:

"Weltpolitisch dürften die Jahre 2008 bis 2011 unter der Mitwirkung von Saturn besonders aufregend werden, mit einem Höhepunkt in Jahre 2010, wenn Jupiter von Mai bis Oktober und Dezember 2010 und im Januar 2011 einen Konjunktion zu Uranus bildet. Ähnliche Konstellationen hatten wir das letzte Mal in der Zeit von 1930 bis 1933 […]. Ganz entscheidend für die Entwicklung in den 30-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war sicherlich der wirtschaftliche Crash 1929/30. Ein derartiger Crash kann durchaus wieder eintreten, nicht zuletzt durch den sich deutlich abzeichnenden Klimawandel."


Also wieder kein Herbst 2008. Stattdessen soll es irgendwann 2010 spannend werden und ein Wirtschaftscrash soll durch den Klimawandel kommen. Na ja, das klingt nicht nach einer Beschreibung der Finanzkrise, die das Prädikat „ganz genauso abgelaufen“ verdient. Das Jahr 2010 ist natürlich spannend, wegen der Griechenland- und Eurokrise. Aber hat nicht jedes Jahr zwischen Mai und Dezember etwas Spannendes zu bieten? Ein bisschen konkreter wäre schon gut gewesen, vor allem für jemanden, der Geld für seine Voraussagen haben will.


Zu guter Letzt noch eine konkrete Aussage Noés zur Ölpreisentwicklung. Auf Seite 271 lesen wir:

"Meine Prognose ist, dass wegen einer drastischen Verknappung – unter der Saturn-Neptun-Opposition – der Ölpreis bis 2010 auf 100 bis 120 US-$, wenn nicht sogar auf 150 US-$ steigen wird. Dann wird ganz rapide eine Wende technologischer Art eintreten und Energie wird nach diesen dramatischen Krisenkonstellationen für jedermann zu jeder Zeit ebenso preiswert wie die Internet-Informationen zur Verfügung stehen. Schließlich bewegen wir uns auf der Erde in einem gigantischen Energiefeld. Wir haben nur noch nicht den richtigen Weg gefunden, diese Energie zu nutzen."


Wenn ich das nächste Mal tanken gehen weiß ich wenigstens, dass ich Saturn und Neptun für den Ölpreis verfluchen kann. Tatsächlich liegt der Ölpreis momentan bei etwa 75 US-$. Also deutlich unter den 100 bis 120 „wenn nicht sogar“ 150 US-$ die Noé vorhersagt. Tatsächlich waren wir schon bei etwa 145 US-$ aber das war im Sommer 2008. Grund dafür war auch nicht eine Verknappung, sondern Spekulation. Leider trat damals auch nicht das Wunder einer „rapiden Wende“ ein, die zur billigen Energiequelle führte. Es bleibt nichts von der vollmundigen Aussage Noés, dass sein Buch irgendwelche Dinge „genau“, oder genauer „genau und zutreffend“ beschreibt. Was sich hier nicht zuletzt daran zeigt, dass sich Noé nicht einmal die Mühe macht zu sagen, welches gigantische Energiefeld der Erde seiner Vision zu Grunde liegt. Magnetfeld? Gravitationsfeld? Oder gewür-felt?

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